Blauer Kreis Zoologische Gesellschaft Österreichs für Tier- und Artenschutz
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Sensationelle Nachzucht des seltensten Fisches der Welt gelungen!

Nach vielen Monaten an Anstrengungen und Momenten der Verzweiflung als letzte Nacht drei der letzten Vielschuppigen Grundkärpflinge der Welt einer heimtückischen Krankheit zum Opfer fielen, sind nun sieben überaus große und gesunde Jungfische geboren worden. Damit hat sich der Weltbestand über Nacht von 5 auf 12 Tiere mehr als verdoppelt! Und damit nicht genug, ist zumindest eines der anderen Weibchen ebenfalls guter Hoffnung. Damit ist dem Haus des Meeres nach der erfolgreichen Vermehrung des wohl zweitseltensten Fisches der Welt, Meeks Kärpfling, wo das Haus des Meeres mit 55 Tieren fast den kompletten Weltbestand hält, nun ein weiterer gewaltiger Schritt gelungen, einer hochgradig vom Aussterben bedrohten Fischart eine zweite Chance zu geben.

 

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Neue Wege im Artenschutz

Längst erfüllt ein moderner Zoo mehr Aufgaben als einem Besucher beim Gang durch die Tierschau bewusst wird: Zu Be­ginn der Zootierhaltung war die einzige Funktion einer Menagerie, dem Besucher eine Vielzahl außergewöhnlicher, gefähr­licher und exotischer Tiere vorzuführen; oft genug waren kleine, nüchterne Käfige in Verwendung, damit der Besucher mög­lichst viel von „der Attraktion Tier" sehen konnte. Jetzt haben sich die Anforde­rungen zum Glück geändert. Nicht mehr der Besucher ist Mittelpunkt eines Zoos sondern die Tiere. Im Vordergrund steht eine tiergerechte Haltung, was bedeutet, dass Tiere unter anderem in der Lage sein müssen ihr komplettes Verhaltensreper­toire auszuleben, was auch die Möglichkeit zur Fortpflanzung mit einschließt. Weitere Faktoren sind naturgemäße und gesunde Ernährung, tierärztliche Versorgung, mög­lichst große und strukturierte Gehege mit der Möglichkeit sich zurückziehen zu kön­nen und einiges mehr.

Des weiteren hat ein Zoo einen Bildungs­auftrag zu erfüllen: Beginnend bei Be­schriftungstafeln bis hin zu Seminaren, Vortragsreihen und Führungen sollen diese Maßnahmen die Sensibilität der Besucher für die Tierwelt und die Umwelt steigern, das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur fördern und Kindern die Liebe zur Tier- und Pflanzen­welt zu lehren.

Einen weiteren, sehr wichtigen Bereich stellt die Nachzucht seltener oder gefährdeter Tiere dar. In Erhaltungszuchtprogrammen arbeiten Zoos international zusammen, um solche Tierarten für die Nachwelt zu erhal­ten. Natürlich soll der Zoo keine Endsta­tion für sie darstellen, vielmehr sehen sich Zoos als Übergangslösung, als moderne Arche Noah mit dem Ziel langfristig die­sen Tierarten ein Überleben in der Natur zu sichern oder zu ermöglichen. Deswegen unterstützen Zoos auch intensiv Projekte in den Heimatländern solcher Tierarten. Wir als Haus des Meeres sind an solchen Projekten natürlich auch beteiligt, zum Beispiel mit Schildkrötenarten. Viele Tier­arten sind aufgrund von Haltungsbestim­mungen, Gefährlichkeit und Größe oftmals nur Zoos vorbehalten, man denke da zum Beispiel an Tiger, Pandas und Nashörner. Bei anderen, kleineren Tierarten befinden sich aber oftmals gerade in privater Hand viel mehr Exemplare als in Zoos, zum Teil auch deshalb, weil solche Tierarten in Zoos wenig Beachtung finden. Vor allem im Be­reich der Aquaristik leisten Privatpersonen in der Erhaltungszucht großartige Dinge.

Der Autor hat sich vor etwa zehn Jahren als Privataquarianer auf eine sehr ungewöhn­liche Fischgruppe aus Mexiko spezialisiert. Es handelt sich dabei um die Familie der Mexikanischen Hochlandkärpflinge (Goo­deidae), oftmals einfach als Goodeiden bezeichnet. Diese Fische werden meist keine 10 cm lang und bewohnen in etwa vierzig Arten ein trockenes Gebiet im Her­zen Mexikos, die Mesa Central, wo sie zum Teil Kleinstgewässer wie Quellgebiete und Tümpel. Viele Arten sind dabei durch Umweltsünden, wie Bauprojekte, Was­serverschmutzung, durch das rasche An­wachsen von Großstädten und durch den rücksichtslosen Umgang der Bevölkerung mir der Ressource Wasser in ihrer Existenz massiv bedroht. Zwei Arten gelten bereits in der Natur als ausgestorben.Von der bi­ologischen Seite her sind diese Fische inte­ressant, da sie lebendgebärend sind. Dieses Phänomen tritt bei Fischen allerdings in unterschiedlichen Gruppen immer wieder auf. Diese Fischgruppe hat allerdings spe­zielle Strukturen am Bauch der Jungfische und in der Leibeshöhle der Weibchen ent­wickelt, die eine ähnliche Funktion besit­zen, wie bei uns Menschen die Nabelschnur und die Plazenta. Während bei vielen le­bendgebärenden Fischen die Fischbrut über den Eidotter ernährt wird und die Jungen erst kurz vor, oder zum Zeitpunkt der Geburt von der Eihülle frei gegeben werden, werden Hochlandkärpflings-Junge von der Mutter mit Nährstoffen versorgt, die sie aktiv über Nährschnüre an der Bauchde­cke aufnehmen. Interessanterweise leben die nächsten Verwandten dieser Fische weit weg in Nevada...und sie sind eierlegend, was die Fische auch aus Sicht der Evoluti­onsbiologie interessant macht.

Das Haus des Meeres hat nun im Hinblick auf Nachzuchtprojekte einen neuen und ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, der gerade bei Kleinfischen einen großen Bei­trag zum Überleben einzelner Arten leisten könnte. Der Autor hat in seiner Funktion als Kurator für Süßwasseraquaristik ver­schiedene Privatleute im In- und Ausland, aber auch Zoos, Universitäten und Orga­nisationen, die sich mit diesen Hochland­kärpflingen beschäftigen, eingeladen in einer E-mail-Diskussion die Möglichkeiten einer Kooperation der unterschiedlichen Personengruppen zu erörtern. Trotz an­fänglicher Skepsis lief die Diskussion sehr gut an. Mittlerweile haben ganze Gruppen von Privataquarianern, unter anderem aus Skandinavien, Frankreich, Portugal und den Niederlanden ihre Unterstützung zuge­sichert. Zoos, vor allem aus dem britischen Bereich, sind bereit aktiv mitzuarbeiten, aber auch Universitäten bekunden Interesse. Das ursprüngliche Minimalziel war es, eine Liste zu schaffen, wo alle diese Grup­pierung und Privatpersonen ihre Fischarten nennen, Überschuss anbieten bzw. Arten suchen können. Viele Aquarianer werden nun sagen, dass es das schon lange gibt. Das ist prinzipiell richtig. Das Neue bei dieser Idee ist, es nicht auf regionaler oder nationaler Ebene zu belassen und nicht auf Privatpersonen zu beschränken, sondern so breit wie möglich zu internationalisie­ren und auch Zoos und Organisation mit ihren Fischen einzubinden. Es sollte damit ein Reservoire von diesen Fischen mit ei­ner größtmöglichen Zahl an Individuen geschaffen werden und es sollten so viele Interessenten wie möglich in dieser Sache zusammen geführt werden. Dieses Ziel ist in der Diskussion mittlerweile bereits erheblich ausgeweitet worden. So sollen sich nunmehr die unterschiedlichen Grup­pen zu einem internationalen Netzwerk zusammenschließen, eine gemeinsame Kommunikationsebene finden, Systeme für das Monitoring und Management der einzelnen Arten schaffen, das Wissen um diese Fischgruppe durch Forschungsarbeit vermehren, Fragen in der Haltung klären und hauptsächlich gemeinsam das Über­leben der Arten in Gefangenschaft und in der Natur sichern.

Die Gespräche befinden sich zwar vorläufig noch in der Anfangsphase, aber die ersten konkreten und durchführbaren Ideen sind bereits geliefert worden und der Enthusi­asmus aller beteiligten Gruppierungen ist ungebrochen. Sollte es tatsächlich gelin­gen diesen weltweiten Schulterschluss von unterschiedlichen Gruppierungen trotz aller Berührungsängste und Vorbehalte zu schaffen, wäre ein neues Kapitel in der Erhaltungszucht von kleinen Fischarten aufgeschlagen. Die Goodeiden wären ver­mutlich nur die ersten - über ähnliches im Bereich verwandter Fische wird im Laufe dieser Diskussion bereits laut nachgedacht - und selbst für andere kleinere Tierarten-man denke da in erster Linie an Amphi­bien- wäre dies eine großartige Chance.

Anfang Mai findet in Kopenhagen ein Tref­fen von Freunden Lebendgebärender Fische statt. In diesem Rahmen wird das Haus des Meeres mit anderen Interessierten aus der ganzen Welt diese Dinge ausführlichst be­sprechen. In einer der nachfolgenden Aus­gaben von Kamerad Tier werden wir dann über das Ergebnis unserer Anstrengungen berichten.

Mag. Michael Köck

Sensation: Sprechende Seepferdchen im Haus des Meeres - „Klick, klick“ oder „Grummel, Grummel“

Als wir das erste Mal unsere Karibischen Langschnauzen-Seepferdchen (Hippocampusreidi) belauschten, waren wir sehr überrascht. Zwar „sprechen“ zahlreiche Fische– entweder um ihren Artgenossen etwas mitzuteilen oder um Fressfeinde abzuschrecken– aber Seepferdchen? Und sie waren gar nicht „einsilbig“ - gleich zwei unterschiedliche Laute konnten wir aufnehmen, einen Klick- und einen Grummel-Laut. Neu: Wer Seepferdchen wirklich hören will, sollte ins Haus des Meeres kommen. Wir haben an einem vier Meter langen Seepferdchen-Aquarium einen Lautsprecher angebracht, mit dem die Laute abgehört werden können.Da hört man unsere Seepferdchen sprechen . Der Klick-Laut ist beim Fressen und auch bei der Balz zu hören. Er entsteht, wenn in einem speziellen Gelenk am Hinterkopf desSeepferdchens zwei Knöchelchen aneinandergerieben werden und klingt dabei ähnlich wie ein Zungenschnalzen. Der zweite Lauttyp, den wir mittels Hightech-Unterwassermikrofonen aufnehmen konnten, war ein niederfrequentes Grummeln. Er wird von Seepferdchen erzeugt, wenn sie in Not sind, zum Beispiel wenn sie festgehalten werden - entweder von einem Raubfisch vor dem Verschluckt werden oder aber von der Hand des Forschers. Über den Sinn dieser Laute können wir im Moment nur spekulieren: Das Klicken ist möglicherweise der Hinweis an andere Seepferdchen, dass gerade viele Nahrungskrebse entdeckt wurden, um dann gemeinsam zu fressen. Seepferdchen sind sehr soziale Tiere, die auch viel Zeit aufwenden, um einander zweimal täglich zu begrüßen. Warum dieser Klick-Fresslaut dann aber auch bei der Balz zu hören ist, bleibt ein Rätsel. Nachdem wir schon seit Jahren erfolgreich Seepferdchen nachzüchten, sind wir besonders froh darüber, nun auch mit dieser Thematik am internationalen Forschungsgeschehen teilzuhaben. Diese Arbeit wurde zusammen mit Dr. Tacyana Ribeiro von der Universität Paraiba in Brasilien und dem „Fischflüsterer“ Prof. Friedrich Ladich vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien durchgeführt.

 

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KAMERAD TIER 1+2/2017
Schulwettbewerb - ein großer Erfolg!

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