Blauer Kreis Zoologische Gesellschaft Österreichs für Tier- und Artenschutz
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Aquakultur – Pro und Kontra

„Die Meere sind leergefischt, die Aquakultur muss forciert werden“, „Fische aus Aquakultur sind mit Antibiotika belastet“ so oder ähnlich lauten die Medienberichte und vorallem die letzte Äußerung basiert häufig auf Vorurteilen und zeugt nicht unbedingt von Sachverstand. Wie entscheidet man als Konsument nun welche Fischarten auf den Teller kommen?

Was ist Aquakultur?

Ganz einfach: Fischzucht; meist wird der Begriff in Zusammenhang mit der Zucht von Fischen im Süßwasser in Form der Binnenfischzucht gebraucht. Fischzucht im Meer, in Form von Netzgehegen, kann dagegen als Marikultur bezeichnet werden. Aus Aquakulturstammen daher andere Fischarten - z.B. Karpfen und Regenbogenforelle - als aus dem marinen Milieu. Aus Marikultur stammen etwa Dorade (Goldbrasse) oder Branzino (Wolfsbarsch). Der Atlantische Lachs wird entsprechend seiner Lebensweise anfänglich im Süßwasser und später in Netzkäfigen im Meer gehalten. Mit Hilfe der Aquakultur, so deren Befürworter, soll der Anteil an Speisefischen aus den natürlichen Beständen der Meere gesenkt werden. Man will damit bislang intakte Populationen erhalten und erreichen dass sich die Bestände bedrohter Arten – dazu zählen u.a. die verschiedenen Dorscharten, Schollen, Seezungen, Dornhaie (Schillerlocken) – wieder „erholen“. Die Gegner der Fischzucht argumentieren damit, dass die Massenhaltung von Fischen in natürlichen Gewässern zu deren Verschmutzung führt, dass der Einsatz von Tierarzneimitteln obligat ist und durch das Fischmehl bzw. –öl im Fischfutter die marinen Ressourcen weiterhin minimiert werden.

Fischzucht in Österreich

unterliegt dem Regelwerk der Europäischen Gemeinschaft. Zahlreiche Gesetze und Verordnungen sorgen für die Reinhaltung öffentlicher Gewässer und die Durchgängigkeit von Fließgewässern, verhindern die Verbreitung von Fischkrankheiten, regeln den Einsatz von Tierarzneimitteln und schreiben die hygienischen Bedingungen für die Verarbeitung und das Vermarkten von Fischen und Fischereierzeugnissen vor. So soll gewährleistet werden, dass Fisch aus heimischer Produktion ein in jeder Hinsicht gesundes Lebensmittel ist. In Österreich überwiegt eine bäuerlich strukturierte Fischzucht, wobei traditionsgemäß zwischen (Karpfen-)Teichwirtschaft und Forellenzucht unterschieden wird. Karpfenteichwirtschaft ist extensive Fischhaltung unter natürlichen Bedingungen. 

Karpfenteich in der Südsteiermark
Karpfenteich im Waldviertel

Der Teich ist nicht nur Lebensraum für die Fische. Algen, höhere Wasserpflanzen und wirbellose Tiere bestimmen die Lebensvorgänge im Teich genauso wie unsere Fische .Sie produzieren und verbrauchen Sauerstoff, beeinflussen den pH-Wert des Wassers und reichern es durch ihre Stoffwechselvorgänge oder ihr Absterben mit Stickstoffhältigen Substanzen an. Die Wassertemperaturen entsprechen dem Jahreszyklus. Der Karpfen, Cyprinus carpio, als Leitfisch dieser Form der Fischzucht ist ein Allesfresser und ernährt sich in fruchtbaren Teichen hauptsächlich von Naturnahrung. Die Zufütterung durch den Teichwirt geschieht vor allem mit Getreide, selten mit industriell gefertigtem Mischfutter. Die wichtigsten Nebenfische inder Teichwirtschaft sind Schleie, Zander und Hecht. Das Waldviertel in Niederösterreichund die südliche Steiermark sind die wichtigste nkarpfenproduzierenden Regionen. In der klimatisch begünstigten Steiermark werden auch aus Asien stammende pflanzen- und algenfressende Arten wie Graskarpfen (WeißerAmur) und Silberkarpfen (Tolstolob) gezüchtet. Karpfen können ruhigen Gewissens gegessen werden; ihre Zucht belastet die marinen Beständekaum und ihr schlechter Ruf – fettes Fleisch und schlammiger Geschmack – besteht im allgemeinen zu Unrecht. Forellenzucht kann durchaus als intensive Fischhaltung bezeichnet werden, die vorwiegend in künstlichen Haltungseinheiten aus Holz, Beton oder Kunststoff passiert.

Fließkanäle einer großen Forellenzucht in Kärnten

Zunehmend werden aber auch für bestimmte Produktionsstufen Naturteiche verwendet.

Naturteiche (Handtuchteiche) zur Aufzucht von Forellenartigen

In den Becken und Rinnen sind nur Fische enthalten und der Lebensraum bzw. die Wasserqualität wird von der Güte des zulaufenden Wassers, der Austauschrate und dem Stoffwechsel der Fische bestimmt. Forellenzuchten findet man vorwiegend im Quellbereich oder Oberlauf von Fließgewässern. Die Temperaturen sollten im Sommer je nach Fischart 18-20°C nicht überschreiten. Die wichtigsten in Aquakultur genutzten Fische sind Regenbogenforelle, Bachsaibling– beides keine heimischen Arten – und Bachforelle. Sie sind allesamt Raubfische und benötigen tierisches Eiweiß, das im Mischfutter in Form von Fischmehl angeboten wird. Damit ist die Nachhaltigkeit ihrer Zucht umstritten, denn noch stammen Fischmehl und –öl aus der Meeresfischerei. Das ist vorallem im Biobereich heikel. Es werden daher laufend Versuche unternommen die Rezeptur des Fischfutters so zu verändern, dass es den Bedürfnissen der Fische entspricht, von ihnenakzeptiert wird (auch der Fisch weiß was ihm schmeckt!) und die Hochwertigkeit des Lebensmittels Fisch erhalten bleibt.

Rückstandsproblematik

Das Argument, dass Fische in einer Antibiotikasuppe schwimmen, ist zumindest in Österreich (die Autorin kann nur die hiesigen Gegebenheiten beurteilen, geht aber davon aus, dass die Verhältnisse in europäischen Süßwasseranlagen vergleichbar sind) unhaltbar. Jeder Fischzüchter muss für seinen Betriebgemäß Aquakultur-Seuchenverordnung einen Betreuungstierarzt namhaft machen, der den Betrieb regelmäßig kontrolliert. Die Diagnose von Fischkrankheiten und eine daraus resultierende Therapie sind ausschließlich dem Tierarzt vorbehalten. Er überprüft auch die Wartezeit, die nach einer Therapie eingehalten werden muss, bevor Fische in die Lebensmittelkette gelangen. Zudem wird von der Behörde jährlich ein Probenziehungsplan erstellt in dessen Rahmen stichprobenartig auf Rückstände untersucht wird. Dabei wird nicht nur auf Arzneimittelrückstände geachtet sondern z.B. auch auf Farbstoffe, Pestizide und Schwermetalle.

Müssen Fische behandelt werden?

Fisch gilt als besonders bekömmliches und– bei optimaler Haltung und Ernährung –gesundes Lebensmittel. Warum er ein für den Menschen besonders hochwertiges Nahrungsmittel ist liegt nicht nur am Aminosäuremuster allein. Fisch enthält reichlich hochungesättigte essentielle Fettsäuren. Diese Kombination und der Umstand der leichten Verdaulichkeit aufgrund des geringen Bindegewebsanteiles in der Muskulatur hebt den Fisch unter den tierischen Nahrungsmitteln des Menschen deutlich hervor. Der Fischzüchter ist bestrebt, den Wert des Fisches nicht zu schmälern und geht daher mit seinem Produkt sorgsam um. Er muss aber auch die Wirtschaftlichkeit seines Betriebes und die Belange des Tierschutzes berücksichtigen. Krankheiten, die im Freigewässer kaum bestandsbedrohend sind, können unter den Bedingungen der Aquakultur ein Problem darstellen. Wichtig ist vor allem die Vorgangsweise: Tierärztlicher Befund, kontrollierte und korrekte Anwendung von Tierarzneimitteln und Beseitigung aller Umweltfaktoren, die den Ausbruch einer Krankheit begünstigt haben. In vielen Fällen kommt man bereits mit der Verbesserung der Haltungsbedingungen aus!

Zusammenfassend

kann man sagen, dass Fisch aus heimischer Aquakultur empfohlen werden kann und eine gute Alternative zum Meeresfisch ist. Allerdings hat Qualität auch ihren Preis und es ist sicher vernünftiger einmal in der Woche hochwertigen als zweimal minderwertigen Fisch zu essen. Billigprodukte aus Staaten, die nicht zur EU gehören, entsprechen oft nicht unseren Standards. Unabhängig von einer möglichen Rückstandsbelastung sind sie ernährungsphysiologisch mit unseren Fischen nicht zu vergleichen. Die Haltung, dieWasserqualität und die Ernährung machen den Fisch zu dem was er ist: Ein kulinarischund ernährungsphysiologisch wertvolles Lebensmittel.

Prof. Dr. Elisabeth Licek

 

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