Blauer Kreis Zoologische Gesellschaft Österreichs für Tier- und Artenschutz
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Hundehaltung einst und jetzt

In Gesprächen mit HundehalterInnen gibt es immer wieder dieselben wiederkehrenden Reizthemen wie Maulkorbzwang, Hundesteuer, Leinengebot und Rasselisten, die stets Anlass zu heftigen Diskussionen geben. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass diese Themen nicht neu sind, sondern bereits im 19. Jahrhundert zu gesetzlichen Regelungen führten, die ähnlich wie heute auch damals nicht immer befolgt wurden. Es ist vermutlich nicht allgemein bekannt, dass bereits im Jahre 1841, genau am 6. Juni, von der niederösterreichischen Landesregierung eine Vorschrift für die Stadt Wien erlassen wurde, dass Hunde in Wien an öffentlichen Orten mit einem Maulkorb zu versehen sind. Interessant ist, dass dieses Maulkorbgebot im Jahre 1868 im Zusammenhang mit der Einführung der Hundesteuer wieder gelockert wurde. Am 26. Dezember 1868 hatte „Seine kaiserliche und königliche apostolische Majestät geruht, einen Antrag auf Einführung einer Hundesteuer allergnädigst zu genehmigen“. Mit der Kundmachung der Polizeidirektion vom 26. Februar 1869 wurde dann im Gebiet des heutigen Landes Wien die Hundesteuer tatsächlich eingeführt. Gemäß dieser Kundmachung hatte jeder, der in Wien einen oder mehrere Hunde hielt, eine Steuer in der Höhe von jährlich vier Gulden an die Stadtkassa zu entrichten. Dies galt auch für Personen, die sich erst im Laufe des Kalenderjahres einen Hund zulegten. Die Steuerschuldigkeit trat mit dem Tage ein, „von welchem die Hunde nicht mehr gesäugt wurden“. Über die bezahlte Steuer wurde eine amtliche Quittung angefertigt und an die HundehalterInnen eine Blechmarke vergeben, auf der die Nummer des Steuerregisters und die Jahreszahl eingeschlagen waren. Die Marke war am Halsband des Hundes zu befestigen. Wer einen Hund erwarb, hatte dies binnen drei Tagen der Behörde zu melden. Bei Übertretungen war als Strafe die dreifache Gebühr, also zwölf Gulden, zu entrichten. Wurden Hunde auf der Straße frei umherlaufend und ohne Hundemarke aufgegriffen, so wurden sie vom Wasenmeister, dem hauptsächlich die Tierkörperbeseitigung oblag, eingefangen. Wenn sich der Besitzer der Tiere nicht innerhalb von drei Tagen meldete und eine Strafgebühr von drei Gulden entrichtete, wurden die Hunde ausnahmslos nach Ablauf dieser Frist getötet.Gleichzeitig wurden aber mit der Kundmachung, mit der die Hundesteuer verfügt wurde, die Vorschriften über das Tragen von Maulkörben wesentlich gelockert. Die Maulkorbpflicht an öffentlichen Orten entfiel weitgehend, lediglich Bulldoggen und als bissig bekannte Hunde unterlagen weiterhin dem Maulkorbgebot. Die Vorschriften, die die Beschaffenheit des Maulkorbes betrafen, waren analog den Bestimmungen, wie wir sie aus dem Bundestierschutzgesetz oder dem Wiener Tierhaltegesetz kennen. Die Maulkörbe mussten so konstruiert sein, dass sie das freie Atmen und Trinken ermöglichten, gleichzeitig mussten sie der Kopfform des Hundes angepasst und so am Kopf befestigt sein, dass der Hund den Maulkorb nicht abstreifen konnte. Als Besonderheit ist anzusehen, dass der Name und der Wohnort des Erzeugers der Maulkörbe direkt am Maulkorb ersichtlich sein mussten. Die Genossenschaftsvorstehung der Gürtler und Spengler hatte Muster solcher Maulkörbe zur Besichtigung bereitzuhalten. Die Mitnahme von Hunden an öffentlichen Orten unterlag aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts großen Einschränkungen. So war die Mitnahme von Hunden in öffentliche Lokale wie Gast- und Kaffeehäuser grundsätzlich untersagt. Gleiches galt für die Mitnahme von Hunden in Omnibussen und Gesellschaftswägen sowie in den Wägen der Pferdeeisenbahn. Dass diese Bestimmungen nicht immer beachtet wurden, zeigen diverse Polizeidirektionserlässe aus dieser Zeit. So wurden mit Erlass vom 11. März 1875 die Kommissariate angewiesen, „die zugewiesenen Organe zu instruieren, dass dem Unfuge des Mitnehmens von Hunden in Kaffee- und Gasthaus-Lokalitäten, sowie in Omnibus-Gesellschaftswagen und Tramwaywaggons in entsprechender Weise, insbesondere durch Bestrafung der Zuwiderhandelnden nach der kaiserlichen Verordnung vom 20. April 1854 gesteuert werde“. Am 16. Mai 1876 wurde abermals von der Polizeidirektion darauf hingewiesen, dass das Verbot des Mitnehmens von Hunden in öffentliche Lokale nicht beachtet wird und dass weder von Seiten der Lokalinhaber noch von Seiten der Wachorgane dagegen eingeschritten wird. Das k. u. k. Polizeikommissariat wurde aufgefordert, „die Wachorgane zu einer entsprechenden Tätigkeit in dieser Richtung anzuweisen, und gegen die wegen Übertretung dieses Verbotes Beanzeigten unnachsichtlich vorschriftsmäßig amtszuhandeln“. Auch der Hundeverkauf an öffentlichen Orten war damals schon ein Thema. Mit Kundmachung vom 7. November 1872 wurde moniert, dass häufig Dienstmänner sich mit dem Verkauf von Hunden an öffentlichen Orten befassten. Da ein solcher Vorgang aus gewerbspolizeilichen Rücksichten nicht geduldet werden konnte, wurden die „Dienstmanns-Instituts-Inhaber sowie der Obmann der Garantie-Gesellschaft der concessionierten Stadtträger“ aufgefordert, diesen „Unfug“ abzustellen. Eine andere Bestimmung betrifft ein Problem, mit dem sich die zuständigen Behörden auch heutzutage befassen müssen. Im Polizeidirektionserlass vom 28. Oktober 1877 wurde folgendes verlautbart: „Arrestanten, sowohl Schüblinge als Polizeihäftlinge, werden oft mit Hunden in das Polizeigefangenenhaus überstellt, ebenso werden Arrestanten mit Hunden in den Zellenwägen befördert. Die Kommissariate werden angewiesen, bei Aufgreifung von Individuen, welche Hunde mit sich führen, dieselben erst dann in das Gefangenenhaus einzuliefern, wenn die Hunde dortbezirks entsprechend untergebracht, eventuell durch den Abdecker (Wasenmeister) beseitigt worden sind“.

Unsere Einstellung zu Tieren im Allgemeinen und speziell zu Hunden im Besonderen hat in den letzten 120 Jahren Gott sei Dank einen tiefgreifenden Wandel erfahren.Im Bundestierschutzgesetz ist genau festgelegt, dass die zuständigen Behörden für die tiergerechte Unterbringung und Versorgung von entlaufenen, herrenlosen, beschlagnahmten und abgenommenen Hunden zu sorgen haben. Eine Euthanasie von Tieren ist nur mehr aus veterinärmedizinischen Gründen erlaubt. Dies ergibt sich aus der besonderen Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf, wie es in der Zielbestimmung des § 1 des Bundesgesetzes über den Schutz der Tiere festgelegt ist. Dass es aber vor dem Hintergrund eines konfliktfreien Zusammenlebens von Mensch und Hund auch in der heutigen Zeit gewisser Spielregeln bedarf, sollte für jeden verantwortungsbewussten Hundehalter selbstverständlich sein.

Mag. Hermann Gsandtner

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