Blauer Kreis Zoologische Gesellschaft Österreichs für Tier- und Artenschutz
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Sag mir wo die Bienen sind

Sag mir, wo die Bienen sind – Teil II

(Auszug aus der Kamerad Tier 1+2 / 2013)

An dieser Stelle wurde bereits vor einem Jahr über verschiedene Ursachen für das welt­weite Bienensterben geschrieben. Neben Krankheiten, allen voran die Varroose, wird auch der Einsatz von Neonicotinoiden zur Bekämpfung von Schädlingen verschiedener Nutzpflanzen – Raps, Mais, Futter- und Zuckerrüben, Ölkürbis usw. – verantwort­lich gemacht. Vor allem die Wirkstoffe Imi­dacloprid und Clothiadinin, systemische Insektizide mit Kontakt- und Fraßgiftwir­kung, werden häufig genannt. Sie werden zur Saatgutbeizung eingesetzt und gut in der Pflanze verteilt. Dadurch sind sie auch in den Guttationstropfen (= tropfenförmige Wasser­absonderung) präsent, die von den Bienen aufgenommen werden.

Am 1. Februar 2013 fand sich auf der Homepage von eurActiv der folgende Bericht(gekürzt wiedergegeben):

Gefahren durch Pflanzenschutzmittel

Bienensterben: EU prüft befristeten Pestizid- Verzicht

Drei Pflanzenschutzmittel sind möglichweise für das Bienensterben in Europa verantwort­lich. Die EU-Kommission hat die Mitglieds­staaten deshalb aufgefordert, zwei Jahre lang auf die umstrittenen Pestizide zu verzichten. Einige Mitgliedsstaaten sehen das geplante Pestizid-Moratorium skeptisch.

„Wir fordern die Mitgliedsstaaten dazu auf, in den nächsten zwei Jahren auf den Ein­satz dieser Pestizide bei der Behandlung von Saatgut zu verzichten, deren Pflanzen Bienen anziehen, also Sonnblumen, Mais, Raps und Baumwolle“, sagte Frédéric Vincent, Spre­cher von EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Donnerstag (31. Januar 2013). Das geplante Pestizid-Moratorium bezieht sich auf Chemikalien aus der Gruppe der sogenannten Neonikotinoide, die Insekt­zide Clothianidin, Imidacloprid und Thi­ametoxam mit denen Saatgut gebeizt wird. Die Kommission prüft derzeit „angemes­sene Maßnahmen, um die Bienen zu schüt­zen“, hatte EU-Kommissar Borg diese Wo­che angekündigt. Brüssel reagiert damit auf einen aktuellen Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Diese fordert, die hochgiftigen Pflanzen­schutzmittel zu verbieten. Ein EU-Exper­tenkomitee wird über ein mögliches zwei­jähriges Pestizid-Moratorium abstimmen. Bis März soll der Gesetzesentwurf stehen und könnte bereits am 1. Juli in Kraft treten. Die Neonikotinoide stehen im Verdacht, maßgeblich für das Bienensterben in Europa verantwortlich zu sein. Zwar wirken die Pe­stizide laut EFSA-Studie nicht unmittelbar tödlich auf die Bienen. Den Tieren ginge je­doch der Orientierungssinn verloren, so dass sie nicht zurück in den Bienenstock fänden.

Position der Mitgliedsstaaten

Ob das Verbot tatsächlich zustande kommt, hängt von den EU-Mitgliedsstaaten ab. Die EU-Agrarminister konnten sich beim Treffen am 28. Januar nicht auf ein Verbot der Neon­ikotinoide einigen.

In Österreich sind insektizide Beizmittel nicht verboten, wurden aber bereits 2009 mit neuen Auflagen zum Schutz der Umwelt versehen. 

Uneinig ist man sich nach wie vor ob nun der Varroose oder den Insektiziden die Schuld an dem Bienensterben gegeben werden muss und ob nicht die Situation in verschiedenen Ländern unterschiedlich zu beurteilen ist. Be­richten und Untersuchungen zufolge gilt als wahrscheinlich dass der Kontakt von Bienen mit Umweltgiften das Auftreten von Krank­heiten begünstigt und es wird auch eine sy­nergistische Wirkung von Neonicotinoiden und Varroaziden nicht ausgeschlossen.

 

Uneinig ist man sich nach wie vor ob nun der Varroose oder den Insektiziden die Schuld an dem Bienensterben gegeben werden muss und ob nicht die Situation in verschiedenen Ländern unterschiedlich zu beurteilen ist. Be­richten und Untersuchungen zufolge gilt als wahrscheinlich dass der Kontakt von Bienen mit Umweltgiften das Auftreten von Krank­heiten begünstigt und es wird auch eine sy­nergistische Wirkung von Neonicotinoiden und Varroaziden nicht ausgeschlossen.

Die Bekämpfung der Milbe Varroa destructor, Erreger der Varroose, hat bislang nicht dazu geführt diesen Parasiten nachhaltig zu ver­nichten. Das liegt allerdings nicht an den ver­wendeten Substanzen allein sondern oft auch am Unvermögen der Imkerschaft diese Mittel vorschriftsmäßig anzuwenden. Viele Bienen­halter, vor allem solche mit einer geringen Anzahl an Völkern, behandeln gar nicht und ohne flächendeckende Maßnahmen kommt es immer wieder zur Reinvasion von Milben in behandelte Völker.

Der Bayer-Konzern ist für die Honigbiene insofern bedeutend weil auf dem Arbeits­gebiet „Bayer HealthCare“ die Varroazide „Perizin®“ und „Bayvarol®“, andererseits aber auf dem Arbeitsgebiet „Bayer CropScience“ die umstrittenen Beizmittel „PonchoTM“ und „GauchoTM“ entwickelt wurden. Ein die beiden Gebiete verbindendes „Bee Care Center“ soll die Verantwortung für die Ho­nigbiene unterstreichen. Um die österreichi­schen Tierärztinnen und Tierärzte zu schulen wurden seitens Bayer Kontakte zum Leiter des Tiergesundheitsdienstes Steiermark und zur Autorin geknüpft und eine Fortbildungs­veranstaltung im steirischen Übelbach ver­einbart und gesponsert. Nachstehend einiges Wissenswerte aus zwei der fünf Vorträge.

Situation der Honigbiene weltweit und Bienenforschung an der Uni Graz“ von Karl Crailsheim

Österreich ist mit einer Ausbeute von 6000 bis 8500 t/Jahr der neuntgrößte Honigerzeu­ger in der EU. Im Jahr 2011 wurden bei uns 1264 Probevölker der sog. Carnica-Biene auf ihre Honigleistung untersucht und pro Prüf­volk lag der Durchschnittsertrag bei 57,8 kg. Für die Landwirtschaft und damit auch für die menschliche Ernährung ist jedoch die Bestäubungsleistung von größerer Bedeu­tung. So führt die zusätzliche Bestäubung des Rapses, eine an sich windbestäubte Pflanze zu einer Ertragssteigerung von € 292/ha; bei der Sonnenblume sind es immerhin noch € 106 bis 149/ha. Zu den beobachteten Bienen-bzw. Völkerverlusten (colony losses) führt der Redner aus, dass solche auch in den vergan­genen Jahrhunderten bzw. –zehnten stattge­funden haben. So wird z.B. aus den Jahren 950, 992 und 1443 von „Great mortality of bees“ in Irland berichtet, 1891 von der „May disease“ in Colorado und in den 1980 bis 1990-ern (und zum Teil bis heute) von den „Varroa associated losses“. Die Honigbiene ist zwar ein robustes Insekt aufgrund ihrer Fä­higkeit zur Thermoregulation, ihres sozialen Immunsystems und der perfekten Kommu­nikation, ist aber dennoch gefährdet durch Umgebungsbestimmungen durch Menschen.

Durch Menschen generierte Störgrößen: Zucht, hohe Bienendichte, Umweltbela­stungen/Gifte sowie Parasiten und Krank­heiten.

Bienenwissenschaft hat in Graz Tradition; man denke nur an Nobelpreisträger Karl von Frisch. Die Arbeitsgruppe Stoffwechselphy­siologie & Verhalten befasst sich derzeit mit den Themen Bienenbiologie, Artificial Life, Ökophysiologie und Verhalten sowie Sozial­verhalten.

Die Varroa-Milbe“: Bedrohung für die Ho­nigbiene“ von Fred Klockgether

In diesem Vortrag wird anfangs wieder der Nutzen der Honigbiene betont. Rund 80 % der heimischen Nutz- und Wildpflanzen werden durch die Honigbiene bestäubt. Ein Ranking der Nutztiere stellt die Honigbiene nach Rind und Schwein auf Platz 3; noch vor Geflügel und Fische! (Anmerkung der Autorin). Nach Präsentation verschiedener Untersuchungen der AGES kommt der Au­tor zum dem Schluss dass die Winterverluste 2011/12 auf den Befall mit der Milbe Varroa destructor zurückzuführen sind und die Im­ker zudem verunsichert sind wie die optimale Varroabekämpfung zu erfolgen hat. Er stellt das Varroabekämpfungskonzept nach Prof. Grünewald vor und geht auch auf die Emp­fehlungen der steirischen Imkerschule ein. Dass Herr Klockgether die Präparate der Fa. Bayer „empfiehlt“ stößt bei einigen Imkern auf wenig Verständnis.

In der Diskussion wird u.a. deutlich betont, dass die Honigbiene zu den lebensmittellie­fernden Tieren und daher ihre Behandlung in die Hand des Tierarztes gehört. Es wird der Wunsch nach zugelassenen Tierarzneimitteln laut, die durch den Tierarzt verschrieben werden müssen und die aufgrund der Fach­information/Gebrauchsanweisung korrekt angewendet werden können.

Zum Schluss noch Wissenswertes

Ausgangsprodukt für Honig sind Nektar und Honigtau. Die Verarbeitung dieser Rohstoffe obliegt den Arbeiterinnen. Für 80 kg Honig werden ca. 160 kg Nektar benötigt.

Blütenpollen werden nicht nur von der Biene verzehrt. Auch wir nehmen ihn zu uns, und zwar als Trockenpollen oder Pollen mit Ho­nig. Eine Pollenfalle im Bereich des Fluglochs z.B. sorgt dafür dass den heimkehrenden Pollensammlerinnen der Blütenstaub vom dritten Beinchenpaar – Pollenhöschen – ab­genommen wird. Ein Bienenvolk benötigt pro Jahr etwa 20 bis 30 kg Pollen.

Propolis (Kittharz) wird von Pflanzenknos­pen gewonnen und ist bekannt für seine antimikrobielle Wirkung. Was die Bienen nicht aus dem Stock entfernen können, wird durch Überziehen mit Propolis unschädlich gemacht. In den Stock eingebrachte Gitter werden ebenfalls überzogen und dienen der Propolisgewinnung. Im Handel sind Propo­lislösungen und –cremes erhältlich.

Auch Gelee royale (Weiselfuttersaft) wird vermarktet. Dabei handelt es sich um den Futtersaft der Königinnenmaden, der in spe­ziellen Drüsen der Ammenbienen hergestellt wird.

Auch das Bienenwachs ist ein körpereigenes Drüsensekret. Was der Imker nicht für den Wabenbau seiner Völker braucht, findet z.B. für die Erzeugung von Kerzen oder Kosmeti­ka Verwendung.

Prof. Dr. Elisabeth Licek

Conclusio:

Unsere Honigbienen sind

Liebenswert – unverzicht­bar - schützenswert

KAMERAD TIER 1+2/2017
Schulwettbewerb - ein großer Erfolg!

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Blauer Kreis

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