Blauer Kreis Zoologische Gesellschaft Österreichs für Tier- und Artenschutz
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Winterzeit

Wie überstehen unsere Vögel die kalte Jahreszeit?

Wenn der Winter mit den ersten Schneeflocken, Temperaturen weit unter 0°C und schneidend scharfem Wind seinen Einzug hält, sind viele unserer Brutvogelarten bereits in südliche, wärmere Gefilde geflogen. Etwa 40 % der in Mitteleuropa brütenden Vogelarten ziehen vor dem Wintereinbruch in tropische Regionen. Andere Arten aber aus dem hohen Norden, wie zum Beispiel viele Entenarten oder Gänse, wandern zum Überwintern bei uns in Mitteleuropa ein. Jeden Winter findet also eine gigantische Verschiebung in unserer Vogelwelt statt. Viele unserer Vogelarten bleiben zwar innerhalb unseres Klimagebietes, ändern aber ihre Biotoppräferenzen. So verlassen Vögel des Hochgebirges wie die Alpendohle oder der Schneefink bei Wintereinbruch ihren hoch gelegenen Lebensraum und kommen herab in die wärmeren Täler. Enten, Bläßhühner und Taucher versammeln sich in großen Scharen auf eisfrei bleibenden Gewässern, oft auch innerhalb der Großstädte, in denen sie zur Fortpflanzungszeit fehlen. Waldvögel wie Meisen, Finken und andere kommen im Winter in die menschlichen Siedlungen, wo sie an Misthaufen, Scheunen, in Gärten und vor allem an den angebotenen Futterstellen noch genügend zu fressen finden. Eichelhäher und Tannenhäher haben sich schon im Herbst einen Futtervorrat angelegt. Sie sammeln in den Herbstmonaten Nüsse und Eicheln und tragen sie als Winternahrung, oft über mehrere Kilometer, im Kehlsack und Schnabel weg und vergraben sie im Boden. Auch unter einer geschlossenen Schneedecke gelingt es ihnen, die meisten dieser Wintervorräte wiederzufinden. Manche Vogelarten stellen im Winter ihre Nahrung völlig um. So ernähren sich Rauhfußhühner wie zum Beispiel der Auerhahn, im Sommer von Samen, Beeren und Blättern, die sie am Boden finden. Im Winter ist für sie diese Nahrung nicht mehr zugänglich. Sie leben nun hauptsächlich in den Baumkronen und fressen dort Koniferennadeln und -samen. Ammern, die in den Sommermonaten hauptsächlich von Insekten leben, stellen sich im Winterhalbjahr auf Getreide-und Grassamen um Zeisige sind ihrem Schnabelbau nach auf die Samen von Korbblütlern eingestellt, doch stehen diese nicht das ganze Jahr hindurch zur Verfügung. So leben Zeisige in den Wintermonaten fast ausschließlich von Erlensamen.

Wir sehen also an Hand dieser wenigen Beispiele, daß Vögel, die bei uns über¬wintern, sich durch einen jahrtausendelangen Ausleseprozeß den winterlichen Verhältnissen angepaßt haben und die Nahrungsressourcen nutzen, die ihnen im Winter zur Verfügung stehen.
Wie aber können die Vögel unsere, oft sogar arktischen Temperaturen im Winter überstehen?
Es ist kaum zu glauben, aber Vögel sind gegen Kälte weit widerstandsfähiger als gleichgroße Säugetiere. Ihr Federkleid. schließt sehr viel mehr Luft in sich ein als ein Haarkleid. Je kälter es ist, desto mehr plustert sich z.B. eine Amsel auf. Ein stark aufgeplustertes Gefieder kann den unbeweglichen Luftmantel um den Körper dicker machen und isoliert daher viel besser als ein eng anliegendes. Die unbefiederten Läufe und Zehen werden in Ruhehaltung in das Bauchgefieder eingezogen. Auch die Schlafstellung, bei der der Kopf unter dem Flügel versteckt wird, kann den Wärmeverlust um einige Prozent senken. Meisen und andere kleine Vögel suchen in kalten Nächten Schutz in Höhlen, Felsspalten oder Baumritzen. Zaunkönige und Schwanzmeisen schlafen in kalten Winternächten in kleinen Gruppen dicht gedrängt beieinander, um möglichst wenig Wärme und Energie zu verlieren.

Die Körpertemperatur der Vögel liegt mit durchschnittlich 40°C über der der Säu-getiere. Als Warmblüter dürfen sie ihre Temperatur nicht unter den Gefahrenpunkt absinken lassen. Zur Aufrechterhaltung dieser Körpertemperatur benötigen die Vögel relativ große Nahrungsmengen. Je kälter die Temperatur, desto mehr muß der Vogel fressen. Der größere Wärmeverlust kann nur durch vermehrte Nahrungsaufnahme kompensiert werden. Die kleinsten Singvögel, wie Wintergoldhähnchen und Tannenmeise, können den Energieverlust während der langen Winternächte also nur dadurch ausgleichen, daß sie während der Tagesstunden ununterbrochen Nahrung aufnehmen. Viel besser hat es da der Poorwill, eine Nachtschwalbe aus dem Südwesten der USA. Er entgeht den Zeiten bitterster Kälte, indem er - als einzige Vogelart! einen „Winterschlaf hält. Die Körper¬temperatur sinkt dabei von 42°C auf 20°C ab, sein Herz schlägt so langsam, daß kein Lebenszeichen mehr festzustellen ist. Ein Vogel dieser Art verbrachte in diesem Starrezustand drei Wintermonate, in einer Felsnische angeklammert.
Für unsere Vögel hat hingegen nun wieder die Zeit der Bewährung begonnen. Und obwohl die bei uns überwinternden Vögel an die normalen winterlichen Bedingungen bestens angepaßt sind und unserer Hilfe nicht wirklich bedürfen, sind wir als Tierschützer verpflichtet, bei extrem hartem, kaltem Winterwetter alles zu tun, um diese Vögel auch über die kritischen Tage hinweg am Leben zu erhalten.
Dr. Dagmar Schratter

Zur Winteraktivität des Feuersalamanders

Wie allgemein bekannt sein dürfte, überwintert der Feuersalamander in Mitteleuropa an so unterschiedlichen Orten wie Nagerbauten, Kellern, Bergwerkstollen und ähnlichen Stellen. Er bevorzugt dabei Temperaturen, die deutlich über dem Ge-frierpunkt bleiben. Diese als „Hibernation" bezeichnete Verhaltensweise unterscheidet sich in manchen Punkten vom Winterschlaf etwa von Säugetieren. Zwar ist auch beim Feuersalamander der Stoffwechsel drastisch reduziert- er nimmt in dieser Zeit keine Nahrung auf- aber die Tiere werden dabei keineswegs starr und bewegungsunfähig. Auch im Winterquartier nimmt der Salamander kleine Ortsveränderungen vor, er kann sich dort häuten oder Kot absetzen.
In den letzten Jahren häufen sich nun scheinbar Meldungen von Feuersalaman-dern, die während des Winters außerhalb ihrer Quartiere angetroffen werden. Es darf bezweifelt werden, ob dieser Umstand allein ausreicht, eine Klimaveränderung im Sinne einer generellen Erwärmung zu begründen. Vielmehr dürfte es sich um ein Beobachtungsartefakt handeln: Der Feuersalamander ist durch entsprechende Naturwerbung in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt und Beobachtungen wird deshalb vermehrt Beachtung geschenkt. Tatsächlich sind Winteraktivitäten des Feuersalamanders keineswegs so ungewöhnlich und in der Fachliteratur findet sich eine Reihe von Hinweisen.
Grundsätzlich kann ein Feuersalamander auch in den Monaten Dezember und Jänner aktiv sein. In den atlantisch geprägten Klimagebieten Europas ist er das auch re-gelmäßig. In den kontinentaler beeinflussten Gegenden Ostösterreichs hingegen offenbar nur ausnahmsweise. Dabei gibt es auch immer wieder Beobachtungen, dass Salamander Schneefelder überqueren. Zuweilen hat man auch schon im Jänner frisch abgesetzte Larven gefunden.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass es keine Berichte von Totfunden des Feuersalamanders im Winter gibt, im Gegensatz zu entsprechenden Daten von unseren Wassermolchen. Das weist darauf hin, dass die im Winter aktiven Tiere aus eigenem Antrieb unterwegs sind und anschließend problemlos wieder ein passendes Quartier finden dürften.

Wenn also im Winter ein Feuersalamander im Freien angetroffen wird, sollte man sich keine besonderen Sorgen über sein Wohlergehen machen. Er wird mit größter Wahrscheinlichkeit nicht erfrieren. Ganz falsch und zudem gesetzwidrig wäre es jedenfalls, das Tier mitzunehmen und in eine Wohnung zu bringen, um es „aufzuwärmen". Der Stoffwechsel des Salamanders ist zu dieser Zeit auf niedrige Temperaturen eingestellt. Eine drastische Erwärmung stellt einen Schock für das Tier dar und kann ihm durchaus das Leben kosten.
Winteraktive Feuersalamander sind zwar ungewöhnlich, aber normal. Man sollte sie dort lassen, wo sie sich gerade aufhalten.
Günter Schultschik

KAMERAD TIER 1+2/2017
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