Blauer Kreis Zoologische Gesellschaft Österreichs für Tier- und Artenschutz
Blauer Kreis             Zoologische Gesellschaft Österreichs für Tier- und Artenschutz

       Frohe Weihnachten

 

Liebe Freunde und Mitglieder vom Blauen Kreis!

Die Begegnungen und Verbindungen mit Menschen und Tieren
geben unserem Leben erst Sinn.

Danke für wunderbare Begegnungen im vergangenen Jahr, danke für Ihre Freundschaft, danke für Ihre Treue, danke für Ihr Vertrauen.

Im Namen des gesamten Teams sende ich Ihnen die besten Wünsche für ein schönes Weihnachtsfest und ein gesundes, glückliches und zufriedenes Neues Jahr mit vielen interessanten Begegnungen.

Vom Karpfenei zum Weihnachtskarpfen

Karpfenteichwirtschaft hat in Österreich eine lange Tradition. Die Entstehung der Waldviertler Teiche geht nachweislich bis ins 14. Jahrhundert zurück. Heute sind vor allem die Bundesländer Niederösterreich (Waldviertel) und Steiermark die Hauptproduzenten österreichischer Besatz- und Speisekarpfen. Im Gegensatz zur Forellenzucht handelt es sich bei der Karpfenteichwirtschaft um eine extensive Form der Gewässerbewirtschaftung. Die Teiche bieten den Fischen einen natürlichen Lebensraum und werden auch von anderen Tierarten, die entweder im oder am Wasser leben, besiedelt. Damit steht der Karpfenteich oft auch im Dienste des Natur- und Artenschutzes. Die Qualität des Teichwassers wird nicht nur vom zulaufenden oder vom Himmel stammenden Wasser (Schnee- und Regenfälle) bestimmt, sondern erfährt durch die im Gewässer lebenden Algen, höheren Pflanzen und Wirbellosen eine entsprechende Beeinflussung. Die Bonität der Teiche hängt u.a. vom Teichboden ab: Teiche auf kalkarmen Urgestein und saurem Hochmoor (z.B. Heidenreichstein, Litschau, Gmünd) sind ertragsärmer als Teiche mit lehmigem Grund (z.B. Waidhofen, Geras). Die steirischen Teiche liegen auf weit besserem Boden und sind auch durch das Klima begünstigt. Daneben wirken sich auch die Tätigkeiten des Teichwirtes, wie Düngemaßnahmen zur Steigerung der Produktion, Art und Menge der Zufütterung sowie Höhe des Fischbesatzes auf die Wasserqualität und Bonität aus.

 

Im Jahre 2009 wurden in Österreich ~ 813 t Karpfen erzeugt. Davon wiederum wurden ~ 75 %  bis zum Speisekarpfen gemästet, der Rest diente als Besatzfische für betriebsfremde Gewässer (Thomas Weismann: 2010; Tagungsband EAFP, Krems).

 

Neben dem Karpfen findet man in der Karpfenteichwirtschaft auch andere wärmeliebende Fische, wie z.B. Schleie, Hecht oder Zander. Die Temperatur hat großen Einfluss auf die Wachstumsgeschwindigkeit der Karpfen. Während in der klimatisch begünstigten Südsteiermark bereits nach 3 Jahren das für einen Speisefisch nötige Gewicht erreicht sein kann, muss man sich im Waldviertel im Allgemeinen 1 Jahr länger gedulden.

 

In den Teichwirtschaften, die vom Ei bis zum Speisefisch produzieren, werden unterschiedliche Teiche verwendet: Laichteich, Streckteich, Abwachsteich, Winterteich und Hälterteich.

Laichteiche

für die natürliche Vermehrung der Karpfen. Es handelt sich dabei um relativ kleine flache Teiche mit reichlich Pflanzenbewuchs und warmem Wasser. Die kleinen Fischchen verbleiben hier solange, bis sie ihren Dottersack aufgezehrt haben.

Vorstreck- und Streckteiche

In diesen Teichen werden ein- bis zweisömmrige Satzfische (K1/K2) herangezogen.

Im Brutvorstreckteich werden die aus dem Laichteich abgefischten K0 (Brütling) etwa 6 Wochen lang bis zu einer Länge von 3 bis 5 cm vorgesteckt (KV = vorgestreckter Brütling in der Größe eines Zwetschkenkernes). Diese Teiche können eine Größe bis zu 1 ha aufweisen und müssen nicht tiefer als 1 m sein.

Die Streckteiche dienen der Aufzucht der KV zu 1-sömmrigen Karpfen (K1) bzw. der Aufzucht von K1 zu K2. Diese Teiche können 1 bis 2 ha oder auch mehr aufweisen und sollten je nach Intensität der Bewirtschaftung 1,5 bis 2 m tief sein.

Abwachsteiche

Hier verbringen die Karpfen ihren letzten Sommer und wachsen zu Speisekarpfen (K3/K4) ab. Diese Teiche können in Österreich gewaltige Ausmaße erreichen. Der drittgrößte Abwachsteich des Waldviertels misst etwa 49 ha.

Winterteiche

Sie dienen der Überwinterung der im Betrieb verbleibenden Satz- und Laichfische. Ihre Größe entspricht etwa der Größe kleinerer Streckteiche, 0,1 bis 0,5 ha, sollten jedoch in den Mittelzonen, wo die überwinternden Fische stehen, ausreichend tief sein (1,8 bis 2,5 m), einen geringen Pflanzenbestand aufweisen und einen sicheren Wasserzufluss besitzen (2 l/sec.,ha).

Hälterteiche

dienen der Aufbewahrung der Speisefische nach dem herbstlichen Abfischen der Abwachsteiche. Hier werden die Fische nach Art und Größe sortiert. Für kurze Hälterungen können künstlich angelegte wassergefüllte Becken verwendet werden, für längere Hälterungszeiten empfehlen sich Naturteiche. Hälter sollten gut aber nicht zu stark durchströmt werden und Wände und Böden müssen so beschaffen sein, dass Haut- und Flossenverletzungen vermieden werden.

 

In der Karpfenteichwirtschaft ist man bemüht, die Produktion der Teiche – pflanzliches und tierisches Plankton, verschiedene Wirbellose – als Hauptnahrung für den Karpfen zu verwenden. Nach dem Aufzehren des Dottersacks benötigt der junge Karpfen Naturnahrung in Form von kleinem Plankton. Erst ab etwa dem 12. Tag können die kleinen Fische Fertigfutter verwerten. Aber auch bei den größeren Karpfen wird, entsprechend der jahreszeitlichen Verfügbarkeit von Naturfutter, nicht ausschließlich mit Fertigfuttermitteln gefüttert. Wenn bei weniger produktiven Teichen Fertigfutter zugefüttert wird, ist es sehr wichtig die Inhaltsstoffe dieses Futters zu dem in der Naturnahrung vorhandenen Nährstoffen in Beziehung zu setzen. Eiweißreiches Futter bei gleichzeitig großem Planktonangebot kann erhebliche Probleme durch Kiemenschäden hervorrufen. Neben Fertigfutter bieten sich in der Karpfenteichwirtschaft auch verschiedene Getreidesorten, Ölkuchen, Sojaschrot an, die allerdings, und darauf muss geachtet werden, nicht nur von den Fischen unterschiedlich gerne angenommen werden, sondern auch eine sehr unterschiedliche Muskelfleischqualität hervorrufen.

Abfischung

Um die Speisekarpfen ernten zu können muss der Abwachsteich abgefischt werden, das geschieht etwa Mitte Oktober bis Anfang November. Die sog. Erntezeit ist für den Teichwirt sehr spannend, denn erst jetzt kann der tatsächliche Fischzuwachs festgestellt werden. Das Abfischen beginnt mit dem Ablassen des Teiches. Das muss sehr langsam geschehen, damit sich die Fische mit dem abfließenden Wasser zur tiefsten Stelle des Teiches, der Fischgrube vor dem Abfluss, treiben lassen können. Das Abfischen selbst beginnt dann in den frühen Morgenstunden meist mit Zugnetzen und sollte zügig vorangehen, um ein Eingraben der Fische im Schlamm zu vermeiden. Der Teichwirt ist bestrebt, diesen Vorgang auch sehr schonend zu betreiben, denn die Fische müssen unverletzt und lebendig vom Teich in die Hälterbecken gelangen. Die Ansicht Uneingeweihter, dass die Fische hier den Erstickungstod erleiden, ist falsch: nur lebende Fische dürfen als Speisefische verkauft und können als Besatzfische verwendet werden. Eine andere Möglichkeit der Abfischung ist das Abfischen „hinter dem Damm“. In diesem Fall werden die Fische vom Teich unter dem Teichdamm hindurch in Kanäle mit Frischwasserzufuhr geschleust. Damit ist der Fisch auch während des ganzen Vorganges reichlich mit Wasser versorgt.

 

Karpfenteichwirtschaft in Österreich ist eine Haltungsform die den Ansprüchen der Fische weitestgehend entgegenkommt. Diese Tatsache und die gesetzlichen Grundlagen bezüglich Fischhygiene, Fischuntersuchung und Rückstandskontrollen im Rahmen der Vermarktung sorgen für den Schutz des Konsumenten und garantieren dafür, dass wir uns den Weihnachtskarpfen guten Gewissens schmecken lassen können.

VON FESTTAGSKARPFEN, CHRISTBÄUMEN UND WEIHNACHTSGÄSTEN

Ein Beitrag aus KAMERAD TIER Heft 11-12/91

Weihnachten ist ein Fest, dessen Wurzeln — für uns heutzutage nicht mehr be­wußt — zum Teil bereits in antiken Vorstellungen liegen, die von vorchristlichen und später christlichen Gepflogenheiten in unserem Bereich ansatzweise aufge­nommen, um- und überformt wurden, was die Vielfalt der weihnachtlichen Attri­bute, weihnachtlichen Verhaltens und Fühlens ausmacht.

Weihnachten ist aber auch das Fest der Fe­ste: für Kinder, weil das Christkind mit vielen Gaben kommt; für Geschäftsleute, weil die Kassen lieblich klingeln; für Haus­frauen, weil sie nach dem unausweichli­chen Hausputz auch noch vorzeigen dürfen, was sie in der Küche zu leisten imstande sind ... und für Ausländer, Ar­beitslose, Einsame, Kranke ...?

Am 24. Dezember ist die „Stille Nacht", die „Heilige Nacht", da sitzt dann die Familie friedlich vereint neben dem Christbaum, verzehrt den üblichen Karpfen und lauscht Weihnachtsliedern (nachdem die vorweihnachtlichen Feiern mit Berufskollegen, Vereinsfreunden etc. glücklich überstanden sind).
Woher aber kommen diese weihnachtlichen Zutaten? Und stimmt dieses idyllische Bild mit der Wirklichkeit überein? Beginnen wir beim Festmahl, das ein zwingendes' Muß — ja geradezu ein Imageproblem — darstellt, obwohl bereits bekannt ist, daß ein großer Prozentsatz der Bevölkerung an zu hohen Blutfettwerten, Herz- und Kreislaufbeschwerden leidet, daß Alkoholismus Familien zerstört.
Wo liegen die Wurzeln für dieses heutzutage äußerst luxuriöse Festmahlverhalten? Sicherlich, wie zumeist im menschlichen Verhalten, im Nachahmen einer
„gehobenen" Gesellschaftsschichte.
Fisch an sich — bereits in der Antike von Griechen und Römern hoch geschätzt wurde im 15. und 16. Jahrhundert in den Klöstern — die ja oftmals auch über Fischereirechte verfügten — eine beliebte Fastenspeise. Da nun der Heilige Abend das Ende der einstmals streng eingehaltenen vorweihnachtlichen Fastenzeit darstellte, lag es nahe, diesen Zeitpunkt mit einem — aus religiösen Gründen abendlichen — Festmahl zu beenden. Dies umso mehr, als in diesen damaligen Zeiten für die Mehrzahl der Bevölkerung üppige Mahlzeiten nicht allzu häufig waren. Da nun in der christlichen Vorstellungswelt dem Fisch besondere Bedeutung zukam —er stellte ein Symbol für Christus dar— und dieser in den Klöstern eben zu bestimmten Zeiten bevorzugt verspeist wurde, lag es wohl nahe, daß sich diese Speise — ähnlich wie auch die „Martinigans" — langsam auch im Volk durchzusetzen begann.

Was aus diesem Fischessen geworden ist, und ob überhaupt noch Ähnlichkeiten zwi­schen der einstigen und gegenwärtigen festlichen Tafel bestehen, das zu beurteilen sei jedem einzelnen überlassen.

Nun zum Christbaum! Soferne „Man" nicht ohnedies in wärmere, südliche Gebiete oder auch in die verschneite, „urige" Berg­welt abgereist ist, um dem Weihnachtsstreß zu entgehen, darf der Weihnachts­baum selbstverständlich nicht fehlen. Sein Wiener Vorfahre stand erstmals im Jahre 1814 in einem Palais in der Annagasse und war mit Kerzen geschmückt. Beide Kom­ponenten, die hier — wie auch im Advent­kranz — zusammentreffen, nämlich das Grün der Nadeln und das Kerzenlicht — ha­ben Vorformen. So etwa sollen die immer­grünen Nadeln, wie man aus entsprechen­den Belegen über z. B. sogenannte „Weih­nachtsmeyen" um 1600 im Elsaß oder auch den Bräuchen mit Weihnachtsgrün (auch Barbarazweige und Tellersaat gehören hierher) schließen kann, in der scheinbar leb­losen Winterzeit auf das Wiedererwachen der Natur im Frühjahr hoffen lassen. Der zweite Bestandteil, die Kerzen, signalisie­ren Licht und Wärme. Und beides hatte für die Menschen immer schon einen hohen Stellenwert, eine besondere Bedeutung ­ganz speziell in einer lichtarmen, kalten Zeit. Die Verbindung dieser zwei lebenswichtigen Komponenten sind somit Aus­druck von Lebensfreude und Hoffnung. Aber was soll's? In einer Zeit, da wir auf Kerzenbeleuchtung nicht mehr angewie­sen sind, können wir doch weitaus rationa­ler, funktionaler leben und unseren — even­tuell auch künstlich hergestellten — Baum modisch durchgestylt mit elektrischen, vielleicht auch bunten, Kerzen schmük­ken.

Die musikalische Umrahmung dieser Fa­milienidylle — wobei ich noch erwähnen möchte, daß gerade zu Weihnachten be­sonders viele Frauen in den Frauenhäu­sern Schutz suchen — könnten dann Weihnachtslieder darstellen. Vielleicht das Lied: „Leise reiselt der Schnee ..."? Aber: rieselt der Schnee zu Weihnachten wirk­lich? Oder haben wir nicht alle ein gerüt­telt Maß an Schuld daran, daß er eben doch nicht so wie früher rieselt? Nehmen wir also ein anderes Lied. Wie wäre es mit „Wer klopfet an"? Ein durchaus aktueller Text. Klopfen an unsere Grenzpforten nicht täglich ausgehungerte, verfolgte, ausgenützte, bedrohte Menschen? Aber wir haben doch, so könnten wir einwer­fen, ohnedies mittels Erlagschein bereits im Advent unsere caritative Gesinnung gezeigt und solcherart Hilfe geleistet.

In früherer Zeit, vor der Einführung des bargeldlosen Geldverkehrs, konnte man sein Gewissen noch nicht so einfach frei­kaufen: da kam dem „Weihnachtsgast" symbolische Bedeutung zu. Dement­sprechend war es beispielsweise in Oberösterreich üblich, den ersten Ar­men, dessen man zu diesem Termin an­sichtig wurde, mit einem „Störibrot" zu beschenken und in anderen Landstri­chen wurde er regelrecht bewirtet: er mußte am Festmahl teilnehmen (eine auch gegenwärtig aktuelle Handlungs­weise?). Dieser solcherart als Glücks­bote angesehene Fremde sollte Glück und Segen für das Haus und dessen Be­wohner im kommenden Jahr garantieren. Hinzugefügt muß allerdings werden, daß derlei „Weihnachtsgäste" in gewissen Ge­gehden auch negative Bedeutung hatten ­wie ja so manches in Glaube und Brauch eben ambivalent ist —: er konnte den Tod eines in diesem Hause lebenden Menschen ankündigen (aber über diese abergläubische Haltung dürften wir heut­zutage bereits hinweg sein!?)

Wie wäre es, zum Abschluß, mit dem Lied „Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all"? — oder sind damit nur gewisse — wel­che? — Kinder gemeint? Christliche Kin­der? Einheimische Kinder? Alle Kinder können eben nicht kommen, das ist un­möglich! Wo kämen wir denn da hin? Wie sähe es denn dann in unseren Schulen aus? sagen, fragen manche — zurecht?

Frohe Weihnachten!

In Erinnerung an Elisabeth Bockhorn +

KAMERAD TIER 1+2/2017
Schulwettbewerb - ein großer Erfolg!

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