Blauer Kreis Zoologische Gesellschaft Österreichs für Tier- und Artenschutz
Blauer Kreis             Zoologische Gesellschaft Österreichs für Tier- und Artenschutz

Prof. Dr. Kurt Kolar Pflegestation für beschlagnahmte und ausgesetzte Reptilien

Der Verein Haus des Meeres hat dankenswerter Weise im Jahre 1992 dem Blauen Kreis im 6. Stock des Flakturmes im Esterhazypark einen Raum kostenlos zur Verfügung gestellt. Für die Blauen-Kreis-Mitarbeiter, besonders den damaligen Präsidenten Kurt Kolar, gab es damit ausreichend Gelegenheit, die handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Damals gab es noch keinen Aufzug im Haus des Meeres. Es mussten jeder Sack Zement, Fliesen, Ziegel, Eternitwannen, Steine und Äste mühsam in den 6. Stock geschleppt werden.

 

Die Station war seit Beginn ihres Bestehens fast immer voll mit Pfleglingen. Aus den ursprünglich 16 Terrarien waren nach 10 Jahren 31 geworden, heute sind es 42, dazu kommen noch über 100 Vogelspinnenbehälter!

Die Station wurde vom Vereinsvorstand beim zehnjährigen Jubiläum "Prof. Dr. Kurt Kolar Pflegestation" benannt. Ende 2006 wurde der Prof. Dr. Kurt Kolar Pflegestation für beschlagnahmte und ausgesetzte Reptilien von der MA 60 - Veterinäramt der Stadt Wien - die Genehmigung als Tierheim gemäß den Bestimmungen des neuen Tierschutzgesetzes erteilt.

Der Blaue Kreis unterhält diese Station ausschließlich von Ihren Mitgliedsbeiträgen und Spenden!

 

Die Pfleglinge, ursprünglich hauptsächlich aufgrund von Beschlagnahmungen der Zollbehörden stammend, bzw. Tiere, die ausgesetzt worden waren, stammen heute u. a. aus Beschlagnahmungen seitens der Tierschutzbehörde wegen schlechter Tierhaltung , bzw. von verschwundenen, verstorbenen oder inhaftierten Besitzern.

Die Tiere in der Auffangstation haben allesamt tragische Schicksale:

Eine Vogelspinne - ursprünglich aus Sri Lanka - saß neben einem Schwimmbassin im 21. Wiener Gemeindebezirk; ein Tokeh, d.h. ein großer Gecko, hielt im 20. Bezirk mit seinem Geschrei einen Mann vom Benutzen seiner Toilette ab. Die Besitzer konnten in beiden Fällen nicht eruiert werden. Im Laufe der Jahre bekam die Station Hornvipern und Kobras, die auf einem Parkplatz illegal verkauft werden sollten, Chamäleons, die in Socken geschmuggelt wurden, delogierte Leguane und Piranhas, und Evelyn Kolar, unsere engagierte Pflegerin, hat auch schon einen Skorpion in einem vollen Staubsaugersack gesucht.

 

Einmal wurden zugleich acht Schlangen, sechs Leopardgeckos, vier Skorpione und 468 (!) Vogelspinnen vom Zoll beschlagnahmt: Bei einer Reptilienbörse kam ein ungarischer Teilnehmer mit den österreichischen Behörden in Konflikt. Die Schlangen, Geckos und 268 Vogelspinnen übernahm die Pflegestation des Blauen Kreises im Haus des Meeres, der Schönbrunner Tiergarten die Skorpione und 200 Vogelspinnen. Viele Stunden Arbeit hat es gekostet, die einzeln untergebrachten Tiere zu bestimmen und zu versorgen

 

Derzeit leben bei uns 19 Leguane, 18 Schlangen, einige Agamen und andere kleine Reptilien, und noch immer über 100 Vogelspinnen! Sie sind mittlerweile zu beachtlichen Exemplaren herangewachsen und wollen ständig versorgt werden.

Unseren allerersten Hai, dessen Transport wir nach einem Todesfall mühselig organisiert haben, hat dankenswerter Weise das Haus des Meeres übernommen, ebenso im Lauf der Jahre zwei riesige Fransenschildkröten, Boas, Leguane, Fische, etc.

 

Es ist unendlich schwierig, für die Tiere geeignete Plätze in Tiergärten oder wissenschaftlichen Haltungen zu finden.


Seit 1931 wird jährlich am 4. Oktober dem heiligen Franz von Assisi, dem Schutzpatron der Tiere, gedacht. Und diesen Schutz brauchen wahrlich viele von ihnen. Nicht nur Nutz- oder klassische Haustiere werden ausgesetzt, auch Exoten wie Leguane oder Boas finden in der österreichischen Wildnis kein wirkliches Zuhause.

Fernsehbeitrag "heute mittag" über die Pflegestation des Blauen Kreises im Haus des Meeres

Zur Erinnerung an Prof. Dr. Kurt Kolar

Kurt Kolar im Gespräch mit Oliver Paget anlässlich der Eröffnung der Pflegestation

Interview von Prof. Dr. Kurt Kolar

 

Wie war Ihr Werdegang?



Noch während ich die Mittelschule besuchte - 1949 - wurde ich auf die von Prof. Otto Koenig aufgebaute Biologische Station Wilhelminenberg aufmerksam. Ich nahm an einem Kurs für vergleichende Verhaltensforschung teil und war in der Folge bis 1954 ehrenamtlich im Institut tätig. Auf Anregung von Otto Koenig begann ich 1951 mit dem Studium von Zoologie und Psychologie an der Universität Wien. Verhaltensgrundlagen bei Papageien war das Thema meiner Dissertation. Den Papageien bin ich treu geblieben, dieses Thema bearbeite ich als Buchautor bis zum heutigen Tag. Weiters sind auch Bücher über Australien (nach einer mehrmonatigen Studienreise) und über die Problematik der Tierhaltung erschienen. Im Wilhelminenberger Institut war ich mit einer Unterbrechung bis 1970 tätig, die letzten zehn Jahre als Stellvertreter Otto Koenigs. Diese Zeit war eine gute Schule, denn in der biologischen Station, aus der 1969 das Institut für vergleichende Verhaltensforschung der österreichischen Akademie der Wissenschaften hervorging, wurde vor allem auf Kameradschaft Wert gelegt. Dies hinderte allerdings nicht daran, dass die meisten Mitarbeiter das Institut nach Auseinandersetzungen mit dem Leiter verließen. Dies war auch bei mir der Fall. Ich arbeitete nach meinem Abgang vorwiegend als zoologischer Schriftsteller. Ich befasste mich aktiv mit Tierschutzfragen und übernahm 1984 die Leitung der Tierschutzaktion Blauer Kreis. Weiters wurde ich Vorsitzender der Zoologischen Gesellschaft Österreichs, Vizepräsident des Wiener Volksbildungswerkes und daselbst Vorsitzender der Fachgruppe Wissenschaften. Als in den späten 80er-Jahren die Kritik an der Führung des Schönbrunner Tiergartens zunahm und sogar die Schließung dieses ältesten Zoos der Welt zur Diskussion stand, gründete ich im Rahmen der Tierschutzaktion eine Arbeitsgemeinschaft Zoo, für die ich mehrere anerkannte Fachleute gewinnen konnte. Somit konnten wir entscheidend dazu beitragen, dass nach den nicht leicht zu knüpfenden Kontakten mit dem zuständigen Minister Dr. Wolfgang Schüssel durch ein im Nationalrat beschlossenes Gesetz der Schönbrunner Tiergarten Anfang 1992 in eine Ges.m.b.H. umgewandelt wurde. Dies war die Grundvoraussetzung für eine Verbesserung der Tierhaltung (Kleinaffenanlage, Großkatzenhaus, Elefantenhaus) und auch für eine bedeutende wirtschaftliche Sanierung. Auf meine Initiative wurde der Verein der Freunde des Schönbrunner Tiergartens gegründet. Auf Einladung des neuen Geschäftsführers und Direktors, Dr. Helmut Pechlaner, übernahm ich die Positionen eines zoologischen Kurators und eines stellvertretenden Direktors. So war mir die Möglichkeit gegeben, zur Neu- und Weiterentwicklung des Tiergartens beizutragen.

 

 

Was macht Ihren persönlichen Erfolg aus?
Meine Konsequenz, umfangreiches Fachwissen, vielseitige Erfahrung und praktische Arbeit. Ich kann mit Tieren gut umgehen und bin von der Notwendigkeit dieses Tuns überzeugt.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Ein gewisses Gefühl der Freude und des Stolzes, dass man gebraucht und um seine Meinung gefragt wird.

Haben sich Ihre Karriereziele im Laufe der Zeit geändert?
Schon seit jungen Jahren war es mein Ziel, einmal in einem Zoo zu arbeiten. Dass sich dieser Wunsch eines Tages erfüllte, ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass ich in einschlägigen Kreisen bekannt und geschätzt war. Dr. Pechlaner lernte ich bei den vom Wiener Volksbildungswerk veranstalteten internationalen Symposien für Vivaristik kennen. Ein Traumziel blieb unerfüllt, nämlich die Gründung eines Vogelparks. Dieses Projekt existiert nur mehr in einigen dicken Ordnern.

Wie erfahren Sie Anerkennung?
Durch persönliche Gespräche, gelegentlich aus offiziellen Reden und durch die Verleihung des Professortitels durch den Bundespräsidenten.

Welche Rolle spielt Ihre Familie in Ihrem Leben?
Meine Familie ist zu kurz gekommen, weil ich immer sehr beschäftigt war. Ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie mich immer verstanden und unterstützt hat. Mein Glück ist, dass sie auch vom Wilhelminenberg kommt und mich dadurch sehr gut versteht.

Was können Sie jungen Menschen empfehlen?

Die Berufsaussichten sind zwar äußerst gering, wer aber die entsprechende Qualifikation besitzt und sein Ziel konsequent verfolgt, hat sicher die Chance, einmal in einem Zoo arbeiten zu können. Man muss allerdings mit Leib und Seele der Arbeit als Tiergärtner verpflichtet sein, nur dann ist mit Erfolg zu rechnen.

KAMERAD TIER 1+2/2016
Schulwettbewerb - ein großer Erfolg!

Hier finden Sie uns

Blauer Kreis

Schadekgasse 6/1

1060 Wien

Kontakt

 Tel. +43 (0)1 982 95 01

 Fax: +43 (0)1 282 20 25

Rufen Sie einfach an unter

+43 (0)664 1217 427

 E-Mail: blauerkreis@aon.at

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

 

SPENDENKONTO:

PSK-Konto 7433.041

BLZ: 60000

BIC: BAWAATWW

IBAN: AT236000000007433041

seit 21.01.2013

Spenden sie jetzt!

Unterstützen Sie unsere Projekte. Ihre Spende finanziert die laufenden Projektkosten und unsere Aktivitäten.