Charlotte
Deutsch
Kassierin (als solche nicht eben überbeschäftigt)
und Schreibkraft:

Was ich nicht will und nicht kann: Traurige Geschichten erzählen.
Die Redaktion von Kamerad Tier hat mich im August 2007 ersucht, ORF Burgenland aufzudrehen und über den Mord an 66 Katzen durch zwei Jäger zu berichten. Der Sprecher hat den Beitrag mit freudiger Stimmer in einem Atemzug mit irgendwelchen Regionalliga-Spielen und sonstigen Nachrichten angekündigt.
Die zwei Jäger haben Lebendfallen aufgestellt und die Tiere dann mit einem Flaubertgewehr erschossen. Das ganze fand im Ortsgebiet statt, was verboten ist.
Es hätte auch noch eine Sicherheitszone von 200 m eingehalten werden müssen. Die Beiden hatten sich gerechtfertigt, sie hätten die Katzenplage eindämmen und einer Seuchengefahr vorbeugen wollen. Der Sprecher berichtete weiters, ihnen drohe eine Haftstrafe bis zu einem Jahr und "unter Umständen sogar der Entzug der Jagdkarte".
Liebe Freunde, was soll ich da noch kommentieren? Solche Begebenheiten verschaffen mir unendliche Schmerzen, aber ich will nicht darüber reden.
Mein Herz fotografiert jedes tote Tier am Straßenrand, es liegt für den Rest meines Lebens da. Mein täglicher Weg ist mit toten Tieren gepflastert. Jede tragische Geschichte - und eine alte Tierfreundin, die mit wachen Augen durchs Leben gegangen ist, kennt naturgemäß viele solche Geschichten - trage ich in mir wie eine schlecht verheilte Narbe, bloß: Ich mag nicht darüber reden, geschweige denn schreiben.
Vielleicht bekäme der Blaue Kreis mehr Spenden, könnte ich Ihnen eindringlich von der Boa berichten, der die Rippen (viele!) herausstanden, als wir sie aufnahmen, vom Leguan, der aus so schlechter Haltung kam, dass ihm beim nächsten Häuten die Haut bis aufs Fleisch abgegangen ist, von den Tieren, die gerade am Verrecken oder schon elendig gestorben waren, aber ich kann es nicht.
Wenn ich eine Tiergeschichte lese oder erzählt bekomme, ducke ich mich schon vorsichtig, weil so viele Leute Geschichten erzählen, die ganz schlecht ausgegangen sind. Wenn ich eine Geschichte erzähle, braucht sich kein Tierfreund zu fürchten: Ich erzähle nur die, die gut ausgegangen sind, die anderen behalte ich bei mir - im wahrsten Sinn des Wortes.
Traurige Geschichten darf man mir nur erzählen, wenn sie noch aktuell sind, wenn man noch hinlaufen kann, um etwas zu tun! Mit Freuden erzähle ich Ihnen von den geretteten Kätzchen, vom Chamäleon aus dem Park, vom Leguan hinterm Auto, denen es jetzt allen gut geht. Und, um auf das Thema der "Jäger" oben zurückzukommen: Wäre ich bei ihrer Überführung dabei gewesen, hätte ich wegen tätlichen Angriffs und schwerer Körperverletzung die höhere Strafe bekommen als die zwei verdammenswürdigen Katzenmörder, denen ich von Herzen alles erdenklich Schlechte für den Rest ihres Lebens wünsche.
Viel lieber erzähle ich Ihnen als Feuilleton wieder eine Tiergeschichte, die Sie lächeln macht, und die Sie und uns daran glauben lässt, dass die kleine Welt rund um uns noch halbwegs in Ordnung ist
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