Evelyn
Kolar
Verantwortlich für Büro, Organisation und Tierpflege,
"Spinnenfrau und Chamäleondame"

Über Sinn und Unsinn der Haltung von Exoten
Was sind
Exoten?
Vielleicht kommt Ihnen diese Frage unsinnig vor, denn schließlich weiß
ja jeder, dass damit in erster Linie nicht in Europa vorkommende Tiere gemeint
sind. Exotische Tiere - so verlangen manche Tierschützer immer wieder -
soll man als Tierfreund keinesfalls halten. Damit wollen sie verhindern, dass
aus fernen Ländern eingeführte Tiere unter falscher Pflege leiden
und ein frühzeitiges Ende nehmen.
Hund und Katze werden als
Haustiere akzeptiert, denn schließlich haben sie bei uns ein schon seit
Jahrtausenden bestehendes Heimatrecht, wenngleich die Katze aus exotischen Vorfahren
hervorgegangen ist.
Das Zwergkaninchen ist hier auch noch zu nennen, denn seine Vorfahren sind europäischen
Ursprungs, aber alle anderen Heimtiere, die von Tierfreunden in Wohnungen und
Gärten gepflegt werden, fallen in die Kategorie "Exoten".
Das Meerschweinchen stammt aus Südamerika, der Goldhamster aus Syrien,
aus Australien kamenWellensittich, Nymphensittich und andere schon seit Generationen
in Menschenhand gezüchtete Großsittiche zu uns.
Der Zebrafink und andere Prachtfinken kommen ebenfalls von dort.
Nahezu endlos wäre die Liste der Aquarienfische, die ihre ursprüngliche
Heimat in fernen Ländern haben.
Wenn diese Lebewesen dann vielleicht nur als Zimmerschmuck, zum Schockieren
oder zum Angeben gehalten werden, ist dies ein ausgesprochener Missbrauch von
Tieren.
Seit 1993 kümmere
ich mich in der Pflegestation des BLAUEN KREISES im Haus des Meeres
um Amphibien und Reptilien, mitunter auch um Vogelspinnen und Skorpione, die
entweder ausgesetzt, geschmuggelt, schlecht gehalten oder nach einem Todesfall
verwaist waren.
Man brachte mir z.B. eine Vogelspinne - ursprünglich aus Sri Lanka - die
neben einem Schwimmbassin im 21. Wiener Gemeindebezirk saß, und gleich
danach einen Tokee, d.h. einen großen Gecko, der im 20. Bezirk mit seinem
Geschrei den Wohnungsbesitzer vom Benutzen seiner Toilette abhielt. Die Besitzer
konnten in beiden Fällen nicht eruiert werden. Im Laufe der Jahre bekam
ich Hornvipern und Kobras, die auf einem Parkplatz illegal verkauft werden sollten,
Chamäleons, die in Socken geschmuggelt wurden, delogierte Leguane und Piranhas,
und ich habe auch schon einen Skorpion in einem vollen Staubsaugersack gesucht.
Das hat mir die im Titel
genannten Bezeichnungen eingebracht, obgleich man mich genauso gut Katzenmutter
und Vogelfreundin nennen könnte. Manchmal überlege ich: Was ist denn
jetzt meine Lieblingstierart? Aber ich mag mich nicht entscheiden. Pflege ich
Chamäleons und Leguane, bin ich zutiefst beeindruckt, obwohl der Umgang
mit ausgewachsenen und geschlechtsreifen Leguanen nicht immer ungefährlich
ist.
Komme ich nachhause, freue ich mich über meine Katzen. Im Winter kann ich
mich vom bunten Treiben an den Futterstellen in meinem Garten nicht losreißen,
und im Frühjahr in einem Sumpf zu stehen und die Frösche zu hören
und zu beobachten, macht mich wie viele Tierfreunde ganz glücklich.
Unlängst habe ich den
Ausdruck "beschleunigte Zeit" gehört, die den Zugang zur Natur
immer weniger möglich macht. Deshalb, obwohl Tierschützerin, bin ich
kein Feind, von - wohlgemerkt verantwortungsvoller und tiergerechter - Tierhaltung.
Das Wort artgerecht halte ich für unsinnig, nur die wenigsten, die es verwenden,
machen sich Gedanken, was es eigentlich bedeutet.
Artgerechte Lebensbedingungen sind für Tiere nur in ihrer natürlichen
Heimat gegeben. Das stimmt zwar, aber man sollte doch darüber nachdenken,
was alles damit verbunden ist. Es gehört auch alles dazu, was den Tieren
das Leben schwer macht: Durst- und Hungerperioden, Busch- und Waldbrände,
Angriffe durch Beutegreifer, Rangordnungskämpfe. Ein derart "artgerechtes
Leben" würde man keinem in Menschenobhut lebendem Tier zumuten. Ständige
Aufklärungsarbeit über richtige Heimtierhaltung ist allerdings unabdingbar,
das fängt bei den Haltern von Hunden an, die mit den Hunden über Rolltreppen
fahren und sie mit Kuchen und Schnitzel überfüttern, geht über
Leguane, die im Tierhandel viel zu billig verkauft werden und in einer kleinen
Wohnung nicht gehalten werden können, bis zu einzeln gehaltenen Papageien
und Meerschweinchen.
Es gibt aber auch eine andere Seite der Tierhaltung: Nicht wenige Leute investieren ihre gesamte Freizeit und viel Geld, um exotische Tiere zu halten und beobachten zu können. Diese Tierhalter befassen sich ganz intensiv mit wenigen Tieren und entwickeln sich oft auf einem engen Fachgebiet zu Experten, denen auch die "studierten Zoologen" Anerkennung zollen. Der enge Kontakt mit ihren Tieren macht sie darüber hinaus zu verständnisvollen Tierfreunden, die sich auch für den Schutz der Natur einsetzen. Jede Haltung von sogenannten exotischen Tieren aus moralischen Gründen abzulehnen, halte ich für unrealistisch.
Dass das Zusammenleben mit Tieren für viele Menschen lebenswichtig ist, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen und wird durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt. Das Sorgen für ein Tier, das uns anvertraut ist, bedeutet für uns Freude und Erfüllung und ist uns Tierfreunden ein wesentlicher Aspekt unserer Daseinsberechtigung, wenn wir die für uns schon beanspruchen wollen.
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